Die Stunde der Feuer I
Agitationsfilm und Geburtsstunde des Dritten Kinos von Fernando Solanas über die gemeinsame kulturelle Identität Lateinamerikas im Kampf gegen den „Neokolonialismus“ Europas und der USA.

Kinoabend im M1, Mokrystr. 1, 21107 Hamburg
Küfa: 19:30 Uhr
Filmbeginn: 20:30 Uhr
Eintritt: 0 Euro, Spende erwünscht
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Die Stunde der Feuer I
ARG 1968 | Regie: Fernando E. Solanas & Octavio Gentino | 85 Min | OmU
Die Argentinier Fernando E. Solanas und Octavio Gentino plädieren 1966 für ein „drittes Kino“, das einen eigenständigen Weg zwischen der kommerziellen Filmindustrie und dem oft sehr individualistischen Autorenkino sucht. Sie gründen die Gruppe Cine Liberación und schreiben sich „die Entkolonialisierung des Kultur“ auf die Fahnen, das Kino soll ausdrücklich der Revolution dienen.
Der 1968 uraufgeführte Film La hora de los hornos (Die Stunde der Feuer) – längst ein Klassiker des revolutionären 68er-Kinos, nicht nur in Lateinamerika – wurde unter den schwierigen Bedingungen der Militärdiktatur Organias innerhalb von zwei Jahren gedreht. Der Agitationsfilm ist ein rasant montiertes Plädoyer für die gemeinsame kulturelle Identität Lateinamerikas im Kampf gegen den „Neokolonialismus“ Europas und der USA.
Es war die Geburtsstunde des militanten Kinos in Lateinamerika, die Revolutionierung des Filmemachens. Darin liegt die bleibende Bedeutung dieses dokumentarischen Epos. Denn über die politische Zielrichtung ist längst die Zeit hinweggegangen. Das ist auch Fernando Solanas bewusst: „Die Stunde der Feuer stellt ein Stück Geschichte dar, zum Beispiel die des Peronismus. Die Teile, die sich auf die Revolution beziehen, haben keine Bedeutung mehr: Der bewaffnete Kampf ist vorbei. In Argentinien herrscht Demokratie, wir können debattieren und demonstrieren. Die Regierung ist zwar miserabel, korrupt und reaktionär, aber niemand käme auf die Idee, sie mit Gewalt zu stürzen. Die Stunde der Feuer kann man nur noch im historischen Kontext bewerten."
Ein revolutionärer Film ist zum Klassiker geworden. Und zu einem Dokument bleibender Mahnung, des fortdauernden Aufbegehrens gegen all jene Probleme, deren Verursacher heute wie damals die gleichen sind.
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/film-urauffuehrung-vor-50-jahren-geburtsstunde-des-100.html
Quelle: https://www.lai.fu-berlin.de/forschung/lehrforschung/1968_in_Lateinamerika/4_alltagskultur/kino.html